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| Nach dem Ende des letzten regulären Trambetriebes (Glasgow 1962) erwachte auch das Interesse der breiten Öffentlichkeit an der Straßenbahn. Zuerst nur mit Pferden, dann elektrisch, wurde ein regelmäßiger Betrieb an den Wochenenden im Sommer angeboten. 1964 wurde das Gelände des Steinbruchs von der TMS gekauft und die Errichtung einer "Museumsstraße" in Angriff genommen, um die reale britische Tramway-Atmospäre widerzuspiegeln. So entstanden entlang der kopfsteingepflasterten Hauptstraße eine Bank, ein Pub mit Hotel, das Straßenbahnbüro, diverse Geschäfte und einiges mehr, alles im Stil der edwardianischen Epoche (nach König Edward VII. benannt, regierte von 1901-1910) | ||||||||||||||||||||||||
Chesterfield Nr. 7 erreicht die "Derby Assembling Rooms" |
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| Einer der Höhepunkte des gesamtem Museums ist für mich die "Exhibition Hall". Im Stile einer britischen Industrieaustellung um 1910 sind in in einer großen Halle Straßenbahnwagen, Weichenanlagen, Uniformen, Elektroausrüstung, Beschilderungen, ein Turmarbeitswagen und alles was sonst noch zu einer Tramway gehört, präsentiert. Am Eingang steht ein riesiger Falke, das Symbol der Firma Brush aus Loughborough, dem damals führenden Hersteller von elektrischen Bahnen im Vereinigtem Königreich. In der Mitte der Halle stehen Straßenbahntriebwagen aus Leeds, Derby, London, Sheffield, Howth (Dublin), Glasgow und Oporto. Entlang der Hallenwände sind die Messestände der verschiedenen Zulieferfirmen mit ihren Exponaten aufgebaut. Alles ist äußerst wirkungsvoll angeordnet und in nagelneuen Zustand. | ||||||||||||||||||||||||
| Noch nie habe ich vorher eine solche Vielfalt an Ausrüstungsteilen gesehen. Es steht auch eine alter unrestaurierter Wagen in der Halle, damit man eine Vorstellung hat, wieviel Arbeit in der Restauration eines Fahrzeuges steckt. Crich verfügt natürlich über eigene Werkstätten, wo neben ein paar fest angestellten Handwerker unzählige freiwillge Helfer arbeiten. Etwa aller drei Jahre wird ein Triebwagen fertig, neben dem laufenden Unterhalt der betriebsfähigen Flotte, die derzeit zirka 25 Fahrzeuge umfasst. Etwa vierzig weitere Wagen sind als "Standmodelle" in der Ausstellung, darunter solche Seltenheiten wie ein Triebwagen der "Hill Of Howth" Tramway in Irland mit der absonderlichen Spurweite von 5 Fuß 8 Zoll und zwei originale USA-PCC-Triebwagen aus den dreißiger Jahren, der Vorläufer der in der DDR und Osteuropa weit verbreiteten Tatrawagen. | ||||||||||||||||||||||||
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Worin unterscheidet sich nun die britische Tramway von der Straßenbahn, wie wir sie in Kontinentaleuropa kennen? Nun, in der Pferdebahnzeit gab es nur geringe Unterschiede. Die ersten Pferdebahnen in Deutschland (z.B. Halle an der Saale) wurden auch von englischen Unternehmen errichtet und betrieben. Bei der "Elektrifizierung" ist man einen anderen Weg gegangen. Auf der Insel wurde der Fahrdraht etwas höher aufgehangen und somit hatte man Platz für Doppelstockwagen, die beförderte Fahrgastmenge war größer und man brauchte keine Anhänger. Bei erhöhtem Bedarf wurde einfach ein weiterer Wagen losgeschickt. Das Oberdeck war in der Anfangszeit offen, bei dem englischen Wetter nur eine Angelegenheit für harte Männer. Einstöckige Wagen gab es nur sehr wenige, und ich habe in der ganzen Sammlung keinen einzigen Anhängewagen gesehen. Bis ganz zum Schluß des britischen Trambetriebes erfolgte die Stromzuführung bei fast allen über Stangenstromabnehmer, Lyra- und Scherenstromabnehmer waren weitestgehend (außer in Glasgow) unbekannt. Und so wird auch heute noch im Trammuseum mit den historischen Triebwagen nur mit der "Rolle an der Stange" nach dem System des Amerikaners Frank Sprague gefahren. Sehr wohltuend ist auch die Vielfarbigkeit der britischen Trams, wobei die vorherrschenden Farben rot/elfenbein sind. |
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Leicester Nr. 76 und Derby Nr. 1 (beide Baujahr 1904) in der "Great Exhibition Hall" |
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| Doch nicht nur für den Straßenbahnliebhaber wurde etwas getan, sondern es entstand ein Museum, in dem für jedem aus der ganzen Familie etwas geboten wird. Am Tag meines Besuches fand ein Mini-Festival statt, wo fortlaufend etliche von den kleinen Knatterblasen über das Kopfsteinpflaster holperten. Für die Kinder gibt es einen Süßwarenladen und für die Männer den "Red Lion" -Pub, wo echtes handgezapftes Ale ausgeschenkt wird. Der Buchliebhaber findet garantiert ein Buch in dem sehr gut sortierten "The Forge"-Buchshop. Das Konzept geht auf, jährlich hat das Museum über 115.000 Besucher. Das mag auch an der ausgesprochen schönen Landschaft liegen. Crich liegt in den Derbyshire Dales in Mittelengland und grenzt an den Peak District, eine klassische Urlaubsgegend mit grünen Tälern, Bergen, Wasserfällen, Höhlen, kleinen Städten und verträumten Dörfern, wo man glaubt, die Zeit ist stehen geblieben. | ||||||||||||||||||||||||
| Die Strecke beginnt mitten in der Hauptstraße des Straßenbahndorfes, gegenüber von den "Derby Assembling Rooms". Hier ist eine zweigleisige Endstelle, an der auch die Stromabnehmerstange umgelegt wird. Englische Straßenbahnen waren grundsätzlich Zweirichtungsfahrzeuge, die Endstellen waren nur Stumpfgleise. Doppelgleisig geht es dann weiter, am "Red Lion" Pub und am Straßenbahndepot vorbei bis zur "Bowes-Lyon" Bridge. Diese gußeiserene Brücke aus dem Jahr 1844 stand im Stagenoe Park in Hertfordshire um wurde wie jedes andere Gebäude "Stein für Stein" nach Crich umgesetzt. Sie bietet einen hervorragenden Ausblick auf die Straßenbahnen. Unter der Brücke befindet sich eine interessante Gleisverschlingung. Nach der Brücke wird die Strecke eingleisig und verschwindet im Wald. Über die Schulter des Fahrers kann man gut die Strecke überblicken. | ||||||||||||||||||||||||
| Der nächste Halt ist "Wakebridge". Hier befindet sich die Ausweiche, wo die Tram auf die nächste Bahn aus der Gegenrichtung wartet. Wenn man hier aussteigt, bietet sich die Gelegenheit den "Woodland Park" zu entdecken, einen Waldpark mit Steinlabyrinth, Riesenskulpturen von Ameisen und Waldgeistern und einer verlassenen Erzmine. Man kann auch auf die nächste Bahn warten und "hop-on, hop-off" machen, denn das Ticket ist für unbegrenzt viele Fahrten gültig. Es sind mindestens vier Bahnen gleichzeitig im Einsatz, an Spitzentagen können es auch schon mal vierzehn sein ! Nach der Station Wakebridge verläßt die Strecke den Wald und erklimmt die Kante des Derwent Valley. Von hier hat man einen atembraubenden Überblick über das Tal, welches von der UNESCO aufgrund seiner Bedeutung als Weltkulturerbe eingestuft wurde. In diesem Tal mit seinen Textilfabriken war der Geburtsplatz der industriellen Revolution, die ja von England ausging. Der Ausblick gerade vom Oberdeck eines offenen Triebwagens ist wirklich beeindruckend. Über dem Kopf peitscht die Rolle an den Fahrdraht und die ganze Kiste rumpelt und schlingert. Selten hat man ein so urwüchsiges Tramerlebnis, schon deswegen muß man Crich einfach erlebt haben. | ||||||||||||||||||||||||
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Nach etwa 2 Kilometern ist das Streckenende erreicht, wieder eine Ausweiche, Gelegenheit zum Umsteigen, die Stange wird umgelegt und es geht wieder zurück. Beim Umlegen des Stromabnehmers wird vom Personal besonders darauf geachtet, daß alle Personen auf dem Oberdeck an ihren Platz sitzen, denn so manch unvorsichtiger Fahrgast hat schon merken müssen, daß der "Trolley Pole" härter als sein Kopf ist. Auf der Rückfahrt sieht man links die Anlagen des Steinbruchs, der zum Teil noch heute im Betrieb ist. Crich verfügt über die umfangreichste Sammlung auf den britischen Inseln, allein an Pferdebahnwagen sind sieben verschiedene Typen vorhanden. Lücken in der Sammlung wurden mit ausländischen Fahrzeugen geschlossen, so kann man Trams aus Johannesburg, Prag, Oporto, New York, Den Haag, Berlin und aus Halle an der Saale finden. |
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Der Triebwagen Nr. 3006 wurde 1996 in Berlin gekauft und anschließend mit einer ausklappbaren Hebebühne rollstuhl- und behindertengerecht umgebaut. Das sonstige Internieur wurde bis auf das genaueste absolut stilgerecht erhalten, selbst die originale "Berliner Zeitung" fehlt nicht. Da die meisten Wagen in Crich Spitznamen haben, erhielt diese Bahn nach dem ehemaligen Staats- und Parteichef der DDR den Namen "Erich". Gefahren wird er unter anderem von Colin Heaton, dem Vorsitzenden des Museumskomitees, der mir an diesem Tag eine Sonderführung hinter die Kulissen gab, vielen Dank nochmals, Colin. Aber auch sonst sind die Leute unwahrscheinlich freundlich und mit viel Einsatz und Herzblut bei der Sache. Zusammenfassend: Das Tramway Village in Crich ist eine Reise wert, eine Touristenattraktion erstes Ranges, die nicht nur dem Straßenbahnfreund, sondern der ganzen Familie viel zu bieten hat. Die Bahnen fahren von März bis November am Wochenende und im Sommer täglich. Weitere Infos wie immer auf der Website www.tramway.co.uk, Fragen usw. können selbstverständlich an mich gestellt werden, meine Adresse ist hier oder auf der Seite Kontakt und Impressum zu finden. |
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