Englische Modellbahnen
00-Katalog der Firma "Mainline" von 1976
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Englische Modellbahnen

Die englischen Modellbahnen unterscheiden sich in vielem zu den kontinentaleuropäischen Gegenstücken. Als erstes ist der Maßstab zu nennen. Aufgrund historischer Entwicklungen ist alles ein wenig anders als bei uns. Zum Beispiel spielt die in Deutschland so populäre Spur H0 fast gar keine Rolle.

Die Hauptnenngröße ist die Spur 00 (gesprochen "dabbel Ooh" ) im Maßstab 1:76, also etwa 10% größer als unser H0.

Gefahren wird aber auf 16,5 mm Gleis wie bei uns. Die meisten Modellbahner bauen in dieser Spur. Auf dem zweiten Platz liegt die Spur N im Maßstab von 1:148.  Die Spur 0 liegt an dritter Stelle (Maßstab 1:43), aber hier ist besonders der Selbstbau angesagt, da es kaum Fertigmodelle gibt. Dafür kann man hier ein Höchstmaß an Vorbildtreue erzielen. Die Spurweite ist 32 mm. Der größte Anbieter an Spur-0-Bausätzen ist Tower-Models (Adresse siehe Linkseite). Für einen Aufpreis werden die meisten Modelle auch professionell montiert, lackiert und beschriftet angeboten.

Spur 00 wird auch als 4mm gauge bezeichnet, das bedeutet 1 engl. Fuß beim Vorbild sind im Modell 4mm, dementsprechend ist Spur 0 gleich 7mm gauge und Spur N heißt auch 2mm gauge. (gauge=Spur)

Die Bezeichnungen für Schmalspur sind 009 (bei uns H0e) und 0-16.5 (Spur 0e).

Von 1957 bis Ende der sechziger Jahre gab es im Programm der Firma Triang auch ein komplettes System mit Loks, Wagen, Gleisen usw in der Spurweite TT. Leider wurde dieses Programm mangels Nachfrage nicht weiter verfolgt, jedoch sind einige Fans der 12 mm Spur nach englischem Vorbild weiterhin aktiv, es gibt Kleinserienmodelle und ich habe auch schon eine sehr gut gestaltete Anlage gesehen. Britisch TT hat den Maßstab 1:102 und wird auch als "3 mm gauge" bezeichnet. Die Geschichte der Triang-TT-Bahn und viele Modelle findet ihr unter www.triang.org.uk

Einige Dinge an den britischen Modellbahnen sind für das deutsche Auge gewöhnungsbedürftig, z.B. die Fallhakenkupplungen an den 00-Modellen und das Fehlen von Beleuchtung an den Dampflokmodellen. Das hat unter anderem seinen Grund darin, daß früher mit unterschiedlicher Anordnung von bis zu fünf Laternen die Zuggattung angezeigt wurde. Das war natürlich modellmäßig nur sehr schwer realisieren und wurde deshalb weggelassen. Heutzutage wäre es zwar mittels Digitaltechnik möglich, aber die Engländer sind nun mal recht traditionsbewußt und Änderungen gehen da nicht so schnell. Außerdem sind die britischen Loklaternen sehr klein und müßten dann auch noch umsteckbar sein.

Die neueren Diesel- und E-Loks und Triebwagen verfügen jedoch meist über Beleuchtung und Lichtwechsel.

Positiv ins Gewicht fallen auf anderer Seite die hervorragende Detaillierung und Beschriftung sowie die niedrigen Spurkränze. Seit kurzem verhaufen die Bachmann und Hornby Loks mit fabrikmäßig installierten DCC-Decoder, seit Ende 2008 sind Dieselloks mit Sounddecoder erhältlich und im letzten Jahr folgten der erste "Sound-Dampfer" von Hornby und Bachmann, wie die A4 "Herring Gull" und die "Black Five". Dieses Jahr erscheint von Hornby eine Rangierdiesellok der Class 08 mit eingebauten Sonddecoder, was aufgrund der Kleinheit des Modelles eine besondere Herausforderung darstellt. Die sowohl von Hornby und von Bachmann verwendeten Sounddecoder stammen durchweg von der deutschen Firma ESU, beste Qualität und Service sind also gewährleistet.

Die an den früheren 00-Modellen verbaute Fallhakenkupplung sieht zwar manchmal recht klumsig aus, funktioniert aber sehr zuverlässig. In den letzten Jahren werden jedoch alle neuen Modelle mit NEM-Normschacht angeboten, so daß jeder die Kupplung seiner Präferenz einsetzen kann. Die neueren Bachmann- und Hornby-Personenwagen sind weitestgehend alle mit Kurzkupplungskulisse und Normschacht ausgestattet. Und auch Dapol rüstet nun die neuen Güterwagen in 00 mit Normschacht aus.

Ein neuer Trend seit 2009 sind Modelle, die speziell für bestimmte Fachhändler gefertigt werden. Hattons in Liverpool fing 2009 mit der Class 14 "Teddy Bear" (gefertigt von Heljan) an, Kernow in Cornwall zieht in diesem Jahr mit der Dampflok "Beattie Well Tank" und dem Triebwagen Class 205 2H "Thumper" nach.

 

 
  Hornby  
 

Die größte Firma in England mit der längsten Tradition ist die Firma Hornby, vergleichbar im Bekanntheitsgrad mit Märklin in Deutschland. Seit 1935 wurde das berühmte Hornby-Dublo System, ein Dreischienensystem, hergestellt. Das jetzige Zweileitersystem basiert auf dem Programm der Firma Tri-ang. Unter diesem Namen firmierte Hornby bis 1972.

Das Hornby-Programm besteht aus einem Komplettangebot in der Spur 00: Loks, Wagen, Gleise, Gebäude und neuerdings ein einfaches Digitalsystem, basierend auf dem DCC-Standard.

Hornby war früher bekannt als Hersteller von mehr spielzeughaften Modellen, doch in den letzten 10 Jahren hat sich ein Wandel vollzogen. Die neueren Modelle sind hervorragend detailliert und beschriftet, haben schräg genutete Motoren mit Schwungmasse, digitale Schnittstelle und Normschacht. Seit Mitte der 90er Jahre ist die Produktion komplett nach Fernost verlagert worden, nur Entwicklung und Vertrieb verblieben in England. Das führt dazu, daß die Endverbraucherpreise etwa zwanzig Prozent unter unserem Nivau liegen.

Sehr gut sind die 00- Gebäudemodelle von Hornby nach typisch englischen Vorbildern im "Skaledale"-Programm. Sie bestehen aus Resin-Guß und sind bereits gefärbt und gealtert. Aufgrund des großen Erfolges gibt es die meisten Modelle nun auch in Spur N, hier heißen sie dann "Lyddle End". Das ist aber bis jetzt auch das einzige, was  Hornby in N herstellt.           

Im Jahr 2003 hat Hornby die LIMA-Gruppe gekauft, seit Ende 2006 werden die ehemaligen englischen Lima-Modelle überarbeitet und mit neuen Antrieben wieder angeboten, darunter auch der bekannte GWR Railcar "Flying Banana" und die dieselelektrische Lok der Class 73.

Zur Website geht´s hier: www.hornby.com

 

  Bachmann
 

Der direkte Konkurrent zu Hornby und der zweite große englische Hersteller ist die Firma Bachmann. Seit über 15 Jahren gibt es nun "Branch-Line" Modelle in der Nenngröße 00. Bachmann stellt Dampf- und Dieselloks, Triebwagen, Personen- und Güterwagen her. Die Produktion erfolgt ebenfalls in China. Die Details und Beschriftung sind wie bei allen englischen Herstellern sehr gut. Normschacht und Schnittstelle sowie Kurzkupplungskulisse ist bei Bachmann besonders in der "Blue Riband"-Auswahl weiter verbreitet als bei den anderen britischen Firmen. Die Personenwagen von Bachmann sind eine Augenweide, aber viel günstiger als ihre deutschen Pendants.

Bachmann bietet auch Modelle nach irischen Vorbild an, eine absolute Seltenheit auf Modellbahnanlagen.

Ein guter und preiswerter Einstieg bei Bachmann sind die Startpackungen, hier gibt es auch Digital-Startsets.

Besonders schön von Bachmann sind die  Spur 0-Modelle, total aus Messing gefertigt. Hier bekommt man ein absolut authentisches Finish, leider nicht für den kleinen Geldbeutel geeignet.

Seit einiger Zeit vertreibt Bachmann unter der Marke "Scenecraft" ebenfalls Gebäude-Fertigmodelle im Maßstab 1:76 aus Resin-Guß, komplett bemalt und gealtert. Der Schwerpunkt liegt hier mehr im industriellen Bereich, so gibt es eine komplette Kohlenmine mit Förderturm und ein Busdepot.

Welche Firma von den beiden (Bachmann oder Hornby) die besseren Modelle hat, kann man nicht sagen. Jede hat ihre Stärken und leistet sich ab und zu einen Ausrutscher. Die Qualität der neusten Lok hält jedoch jeden Vergleich mit den Produkten der renommiertesten europäischen Hersteller stand.

Bachmann hat vor einigen Jahren die Firma "Graham Farish" (Spur N) übernommen und vertreibt nun dieses Programm, näheres dazu weiter unten.

 

 

Dapol

 

Die Firma Dapol stammt aus Wales und produziert sowohl 00- als auch Spur N-Modelle. In Spur 00 sind es hauptsächlich Güterwagen, vor allem auch Güterwagen mit besonderen Beschriftungen "private owner" (Privatwagen) in begrenzter Auflage. Das Sammeln von Privatwagen ist ein eigenes Sammelgebiet und in England  sehr verbreitet. Jeden Monat kommen etwa zehn Modelle auf den Markt. Der Preis liegt pro Stück etwa bei 10 Euro und die Auflagen meist bei 500 Stück.

Desweiteren sind in Spur 00 ummotorisierte Bausätze von Loks und Triebwagen im Angebot, welche sehr preiswert sind. Diese sind besonders gut für Umbauten und eigene Lackierungen geeignet, bei einem Fehler ist der finanzielle Verlust leichter zu verschmerzen. Interessant sind auch die Ausgestaltungsmaterialien (Gebäude, Wasserkran, Signalbrücke usw).

Eine weite Auswahl an Fertigmodellen besteht in Spur N, Dampfloks wie die "häßlichste Dampflok der Welt" (die Southern Q1), diverse Dieselloks wie ein hervorragendes Modell der auch in Deutschland bekannten Class 66 mit Lichtwechsel und Normschacht, Dieseltriebwagen sowie Güter- und Personenwagen, alles mit der N-Normkupplung. 2008 brachte Dapol ein Modell der Class 9F, vor im selben Jahr ist das hervorragend gelungene Modell der Dampflok "B17" erschienen. Das letzte Dampflokmodell war der "Southern Terrier", die Class A1/A1X.

Das komplette Programm sowohl in 00 und N findet man unter www.dapol.co.uk.

Die künftigen N-Lokmodelle der Firma "Ixion" werden ebenfalls von Dapol vertrieben. Das erste Modell ist dieser australischen Firma ist eine GWR "Manor" Class in vier Varianten. Bei Auslieferung der ersten Modelle Ende 2008 wurde jedoch bemerkt, daß der chinesiche Formenbauen die Lok etwa 8% zu groß gebaut hat. Darum wurde der Verkauf sofort gestoppt und eine komplett neue Lok aufgelegt, die sogenannte "Manor" MkII. Die bereits ausgelieferten Lok werden zurück genommen, die ganze Aktion wird bis 2010 andauern.

 

  Graham Farish
 

Graham Farish ist der größte Spur-N-Anbieter auf den britischen Inseln. Hergestellt werden Dampf-, Diesel- und Elektroloks, Triebwagen sowie Personen- und Güterwagen. Seit kurzem gehört auch ein Modell des GWR-Triebwagen "Flying Banana" dazu. Mit der Übernahme durch Bachmann sind die Fahreigenschaften der Modelle deutlich besser geworden. Die Detailierung reicht aber nicht an die Modelle z.B. von Minitrix heran, besonders im Fahrwerksbereich, dafür sind die Preise sehr günstig. So kostet eine Schlepptender-Dampflok etwa 95 Euro und ein Personenwagen ca. 17 Euro.

Derzeit sind 6 Startpackungen, 47 Diesel- und Elektroloks, 21 Triebwagen, 42 Dampfloks, etwa 100 Personenwagen und zirka 140 Güterwagen im Sortiment.

Die Modelle verfügen über die N-Standardkupplung wie wir sie von Deutschland her kennen und fahren natürlich auch auf dem normalen 9mm- N-Gleis. Der Gehäuse-Maßstab ist aber 1:148, also entspricht dem britischen Standard-N-Maßstab. Wobei in der Nenngröße N der Maßstabsunterschied zum sonst üblichen 1:160 nicht so extrem ist, so daß man auch auf das kontinentale Angebot auf Gebäude, Figuren und Zubehör zurück greifen kann (insoweit es stilistisch passt).

Die britischen N-Austellungsanlagen bestechen durch ihren hohen Standard, wozu auch das meistens verwendete Peco-Modellgleis in Code 55 mit nur 1,6 mm Schienenhöhe beiträgt. Desweiteren wird hoher Wert auf eine authentische Streckenführung und vorbildgerechte Zuglängen gelegt, wa ja in dieser Nenngröße eher möglich ist.

Auch in Nenngröße N gibt es seit diesem Jahr ein "Scenecraft" Programm mit Fertiggebäuden aus Resin-Guß. Dabei werden in der Regel die gleichen Vorbilder wie in der Spur 00 nachgebildet. Das komplette Sortiment ist unter www.grahamfarish.co.uk zu finden.

Ein stellenweise recht lebhaften Austausch der deutschen und österreichischen "British N" Fans sowie Informationen zu Fahrzeugen und Bezugsquellen findet man übrigens unter den Foren auf www.1zu160.net. Einfach mal reinschauen und unter der Forumssuche die Begriffe "graham farish" oder "englische Modellbahn" eingeben.

 

 

Heljan

 

Die dänische Firma Heljan stellt seit einigen Jahren auch englische Dieselloks in 00 und Spur 0 her. In 4mm sind das die Class 33, 35, 47, 52 (Western Class) und 57. Anfang 2009 ist der Brush Prototype "Kestrel" erschienen. Der Kundenauftrag des Liverpooler Händlers Hattons, die Class 14 "Teddy Bear", zieht sich bis 2010 hin. 2009 brachte Heljan die Class 17, die anfänglichen Probleme mit überhitzten Motoren wurden in einer groß angelegten Rückrufaktion beseitigt.

In 7mm (Spur 0) besteht das Programm zur Zeit nur aus der Class 47 in verschiedenen Farb- und Beschriftungsvarianten.

Für die Zukunft sind auch Güterwagen in 00 geplant. Das erste Modell dieser Art ist der "IWB" Schiebewandwagen in hervorragender Ausführung. Zwei sehr interessante Modelle sind auch der Heljan-Containerkran und die digital gesteuerte Drehscheibe. Beide Artikel können auch für Spur-H0-Anlagen verwendet werden. Zur Website der Firma Heljan geht es hier .

 

  Peco
 

Ein guter Bekannter bei vielen Modellbahnern ist die Firma Peco, vor allem durch die Gleissysteme. Am meisten ist das N- und H0-Gleis verbreitet. Das N-Gleis im Code 55 ist meiner Meinung nach das vorbildgerechteste Gleis auf dem Markt. Aber auch das Setrack Gleis in Code 80 ist recht gut und vor allem preiswert (eine Weiche kostet etwa 8,70 Euro) und es gibt vorgefertigte Gleisbögen. Vor kurzem wurden auch Gleisbögen für das Code 55 System angekündigt, jedoch ist der Liefertermin noch offen.

In der Spurweite 16,5 mm hat man die Auswahl zwischen:

Setrack     - Code 100, preiswert, schneller Aufbau, aber keine DKW, eingeschränkte Auswahl an Weichenradien

Streamline - Code 100, gute Auswahl an verschiedenen Weichenformen wie DKW, EKW, Dreiwegeweiche, Betonschwellengleise, aber derzeit keine vorgefertigte Bögen, nur Flexgleise

Streamline - Code 75, nur 1,9 mm Profilhöhe, sehr vorbildgerechtes Aussehen, schlanke Weichen, DKW, EKW usw. erhältlich, sorgfältige Verlegung erforderlich.

Desweiteren sind Weichen und Flexgleise für die Schmalspurnenngrößen H0m, H0e (in England 009), 0-16.5 und G-45 erhältlich. Für die Nenngröße 0 (1:45) werden zwei verschiedene Profilhöhen angeboten, Code 143 Flat Bottom oder Code 124 Bullhead, darunter neuerdings auch eine Doppelkreuzungsweiche.

Aber Peco macht noch mehr. In 009 und 0-16.5 sind das Schmalspurloks und -wagen. Für die Nenngröße N gibt es eine große Auswahl an Güterwagen und Bausätzen, meistens von Privatwagen.

Ende 2007 ist die seit einiger Zeit angekündigte "Collet Goods" 0-6-0 Lok mit eingebautem DCC-Decoder erschienen. In Bezug auf Detaillierung und Vorbildtreue werden hier neue Wege in "British N" beschritten. Es ist zu hoffen, daß mit dieser Lok eine neue Runde im Wettbewerb zur Verbesserung der N-Modelle von allen Herstellern eingeläutet wird. Im Diesel-Lok-Segment (Class 66 von Grafar und Dapol) hat es ja schon gut geklappt...

In 00 gibt es sehr schöne Kesselwagenbausätze und Kits für Wagenuntergestelle. Für beide Nenngröße  werden einige Gebäude, Tunnelportale, Brücken und auch die bekannten englischen Schranken angeboten.

Viele Dinge bleiben hier noch ungenannt, leider ist die Peco-Website auch nicht sehr ausführlich, man bestellt sich am besten direkt einen Katalog auf der Seite von www.peco-uk.com   Im Katalog bekommt man auch viele Anregungen und Hinweise zum Anlagenbau und kann immer mal wieder nachschlagen.

 

  Epocheneinteilung der britischen Bahn
 

Die Epocheneinteilung der Britischen Bahnen ist nun auch auf Deutsch erschienen und ich möchte die Gelegenheit nutzen darauf hinzuweisen. Zu finden ist sie unter folgendem Link: www.bdef.de

Danke nochmals an Bernhard Rieger vom BDEF für die Ausarbeitung.

   
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